KONSUMENT.AT - TikTok: Videos, Stars, Datenschutz - Was ist TikTok überhaupt?

TikTok: Videos, Stars, Datenschutz

Was Sie wissen sollten

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veröffentlicht: 17.09.2020

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Wie funktioniert TikTok? Welche Datenschutz- und Sicherheits-Bedenken gibt es? Und worauf sollten Sie achten, wenn Ihre Kinder die Video-Sharing-App nutzen?

Wir erklären Ihnen, wie TikTok funktioniert, welche Datenschutz- und Sicherheits-Bedenken es gibt und worauf Sie achten sollten, wenn Ihre Kinder die Video-Sharing-App nutzen. (Bild: XanderSt/Shutterstock.com)

Kein soziales Netzwerk wächst schneller, keine App wird öfter heruntergeladen: TikTok ist derzeit in aller Munde. Allein im ersten Quartal 2020 wurde die Video-Sharing-App weltweit über 315 Millionen Mal heruntergeladen. Insgesamt bringt es TikTok mittlerweile auf über zwei Milliarden Downloads in Apples App-Store und dem Google-Play-Store. Das haben bisher nur Apps des Facebook-Imperiums geschafft (WhatsApp, Facebook, Messenger oder Instagram). Die Corona-Pandemie und der Wegfall vieler Freizeitaktivitäten haben anscheinend dazu geführt, dass sich noch mehr Menschen mit der kostenlosen Video-Sharing-Plattform beschäftigen.

Wie TikTok funktioniert

Knapp eine Milliarde monatlich aktive Nutzer verfolgen über TikTok ihre Lieblingsstars oder erstellen selbst Inhalte, sogenannte „TikToks“. Mit der Anwendung können kurze Videos im Hochformat aufgenommen, hochgeladen und im Netzwerk geteilt werden. Dafür stellt TikTok Millionen Songs und Sounds bereit, zu denen die Nutzer tanzen oder Playback singen. Das ist aber nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was man alles auf der Plattform findet. Die Palette reicht von Kunst- und Sport-Clips über Tier-Videos bis zu lustigen „Pranks“ (Streichen) und viralen „Challenges“, die Nutzer quer über den Globus nachmachen. Die kurzen Video-Clips werden meist mit Effekten, Filtern oder Stickern versehen und in Dauerschleife wiedergegeben. Je nach Einstellung können die Videos nur Freunden oder aber der ganzen Welt gezeigt werden. Beim Hochladen vergeben die Nutzer sogenannte „Hashtags“ (#), die für bestimmte Themen und Kategorien stehen. So lassen sich die Clips kategorisieren und wiederfinden.

Erfolgsrezept und Vorwürfe

Wem die TikToks anderer Nutzer gefallen, kann sie "liken" – also mit Herzen versehen, kommentieren oder dem Ersteller folgen. Längst gibt es Stars, die beachtliche Follower-Zahlen vorweisen. Immer mehr Firmen entdecken angesichts der großen Reichweite die Plattform und ihre „Influencer“ für Marketing- und Werbezwecke. Für sie ist TikTok, das sich selbst über Werbung finanziert, besonders interessant. Schließlich ist es ein überwiegend sehr junges Zielpublikum, das die Video-Plattform begeistert nutzt. Bewegtbild, Stars, Hits mit Ohrwurm-Potenzial und eine starke Technologie, die auf Künstlicher Intelligenz (KI) basiert – TikTok ist ein Format, das direkt am Puls der Zeit liegt.

In den letzten Monaten häufen sich aber Negativschlagzeilen und Vorwürfe gegenüber dem sozialen Netzwerk und seinem Betreiber. Das hat vor allem mit der Herkunft des Unternehmens, seinem Umgang mit Nutzer-Inhalten und dem Thema Datenschutz zutun. 

Chinesischer Konzern ByteDance

TikTok gehört zum chinesischen Konzern ByteDance, der auch die zensierte chinesische Version der App namens Douyin betreibt. Gegründet wurde ByteDance 2012 von Zhang Yiming. Das Unternehmen bietet verschiedene Plattformen an, die auf Maschinenlernen basieren. Dazu gehören neben TikTok und Douyin etwa der News-Aggregator Toutiao, die Video-Plattformen Xigua und Vigo Video, die Selfie-Anwendung Faceu oder die Plattform Buzzvideo. 2017 kaufte ByteDance die populäre App Musical.ly, den Vorgänger von TikTok.

Datenschutz- und Sicherheitsbedenken

Immer mehr Experten äußern massive Datenschutz- und Sicherheitsbedenken. Kritiker aus der ganzen Welt werfen dem Unternehmen (politische) Zensur vor und befürchten, dass der autoritäre chinesische Staat hier direkt Einfluss nimmt. Zudem wird kritisiert, dass TikTok Unmengen an Daten sammelt. Was genau mit diesen Daten geschieht, bleibt unklar. Das Hacker-Kollektiv Anonymous bezeichnete TikTok deshalb sogar als „chinesische Schadsoftware zum Datensammeln“. Einzelne Regierungen greifen deshalb zu teils drastische Maßnahmen. Ende Juni 2020 sperrte die indische Regierung neben TikTok eine ganze Reihe von Apps chinesischer Entwickler wegen Sicherheitsbedenken. Jetzt will auch US-Präsident Donald Trump die App verbieten. 


  • Wie ist es tatsächlich um den Datenschutz der Plattform bestellt?
  • Unterscheidet sich TikTok diesbezüglich von anderen sozialen Netzwerken?
  • Worauf sollten Sie achten, falls Sie oder ihre Kinder die App nutzen möchten?

Auf den Seiten 5 und 6 dieses Artikels finden Sie das ausführliche Interview mit Datenschutzexpertin Iwona Laub vom Verein epicenter.works  in voller Länge.

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Kommentare

  • Neugierde und peer-pressure
    von Mnemosyne am 25.09.2020 um 23:07
    Man kennt es bereits von Facebook und Whatsapp. Irgendwann ist die Verbreitung solcher Dienste so weitreichend, dass man als Eigenbrötler gilt, wenn man sie nicht nutzt. Auf diesem Weg befindet sich derzeit Tiktok.

    Der überaus zynische Begriff "digital natives" mutet den Jugendlichen einen informierten und problemlosen Umgang mit digitalen Geräten und dem Internet zu. So "native" sind die Kids und ihre jungen Eltern allerdings nicht, wenn man genauer nachfragt. Wie eine App funktioniert und wie sie sich von der Verwendung der entsprechenden Website eines Dienstes unterscheidet, wissen meist nur diejenigen Teens, die sich in dem Feld mal beruflich beschäftigen wollen. Der Rest installiert fröhlich drauflos, ohne etwas infrage zu stellen.

    Laut exodus-privacy.eu.org läuft Tiktok mit nicht weniger als 13 Werbe-Trackern im Hintergrund und fordert 76 Zugriffsrechte auf teils sensible Funktionen des Smartphones ein. Wie im Artikel beschrieben, wird auch der Zwischenspeicher (Copy&Paste) ausgelesen, der nicht selten TAN-Codes oder auch mal Passwörter beinhalten kann.

    Nicht weniger bedenklich ist der Inhalt der Plattform. Auf Tiktok werden teils auch sexualisierte Tanzvideos, speziell von weiblichen Nutzerinnen und Stars, verbreitet und es wird zur Nachahmung angeregt. Inwiefern hier der Jugendschutz eingehalten wird oder überhaupt greift, ist fragwürdig.

    Es ist schwer überhaupt gute Argumente für eine derart hohle, narzisstische Selbstinszenierungsplattform in Reinform zu finden. Da hilft es auch nicht, wenn sich die Eltern obendrein noch einen "Überwachungsaccount" machen und nachsehen, welche Clips sich die Kinder angeschaut haben.

    Wäre es nicht besser zu argumentieren, dass Kinder und Jugendliche so eine App erst gar nicht brauchen, nur um dort als unentgeltliche "Content Provider" und vorallem Datenquelle dienlich zu sein? Hier entsteht nichts Nachhaltiges, außer für den Betreiber und die Käufer der erhobenen Daten. Bestenfalls ist diese App für Kinder eine weitere Suchtgefahr und Lieferant von potenziellen Körperwahrnehmungsstörungen und Mobbing.

    Es ist bedenklich, wie schnell sich in der Gesellschaft ein solcher Trend etabliert, der uns zu Hampelmännern und -fräulein oder "Content providern" von erfolgreichen Techfirmen rekrutiert.
    Und hervorgehoben wird immer nur der ach-so soziale Nutzen einer derartigen App, der allerdings in keinem Verhätlnis mit den Gegenargumenten steht. Das war noch nie so klar wie im Fall von Tiktok.